Mallorca, Son Prim – oder wie ich mich in Spanien verliebt habe
José Peral
Hi, viele kennen mich ja schon – ich bin’s, der Conny.
2016 beschloss ich, mein Studium erfolgreich abzubrechen. Warum? Ich war ganz unbewusst in meinen Traumberuf gestolpert: als Weinhändler bei einem netten Spanier namens José Peral. Eigentlich suchte ich nur einen Nebenjob – doch es gefiel mir so gut, dass ich nichts anderes mehr machen wollte.
Es folgten eine Ausbildung und eine Fortbildung am GBZ zum Sommelier – beziehungsweise „Assistant Sommelier“, wenn ich mich richtig erinnere 😄. Plötzlich drehte sich bei mir jeden Tag alles um Spanien – gewissermaßen gezwungenermaßen 😉.
Schnell merkte ich, was Spanien für ein tolles Land ist – vor allem bei meinen ersten beiden Dienstreisen zu Matarromera in der Ribera del Duero und zu Celler de Capçanes in Montsant.
Meine Liebe zu Spanien verdanke ich aber wohl vor allem einem Mann: meinem guten Freund Jaime von der Bodega Son Prim. Aber fangen wir von vorne an 😊
Jaime stellte mit seiner Bodega jedes Jahr gemeinsam mit uns auf der ProWein aus. Drei weitere Bodegas teilten sich den Stand. Alle waren morgens pünktlich zum Messestart – nur Jaime nicht 😅. Also betreute ich als junger Sommelier jeden Morgen seinen Stand mit und beschäftigte mich dadurch intensiv mit seiner Bodega.
Und das offenbar nicht ganz erfolglos – einige dieser Kunden hat er bis heute 😄. Scherzhaft sagte ich ihm, meine Provision käme später. Seine Antwort: „Komm mich einfach besuchen.“
Und genau das tat ich 😊
Dieser erste „Urlaub“ änderte alles 😊
Ich besuchte Spanien nicht mehr einfach nur – ich lebte dort. Vor allem lernte ich, spanisch zu leben: den Tag trotz Arbeit zu genießen, die Siesta zu feiern und gefühlt mitten in der Nacht zu essen 😄. Und natürlich auf dem Weingut mitzuarbeiten.
Eigentlich sollten es nur fünf Tage werden. Am Freitag saßen wir nach der Paella noch mit Jaime und seinen Freunden zusammen und genossen einfach die Zeit.
Und dann kam die Frage, die wohl alles verändert hat:
„Conny, du hast dich hier echt gut eingelebt. Willst du morgen mit auf ein Festival?“
„Klar, aber ich muss morgen eine Weinprobe halten.“
„Nein“, sagte Jaime, „die Frage ist nicht, ob du kannst – sondern ob du willst 😉“
Und natürlich wollte ich.
Danach war alles klar 😄 Jaime rief kurzerhand meinen Jefe José an und erklärte ihm, ich würde leider meinen Flug verpassen, weil ich unbedingt mit auf dieses Festival müsse. Gearbeitet hätte ich schließlich genug 😅
José hat nur geseufzt – er kennt Jaime eben zu gut 😊
Das war der Moment, in dem Jaime und ich richtig gute Freunde wurden 😊 Und hier kommt die eigentliche Pointe: Ich kenne nur wenige Menschen, die so viel und so hartnäckig arbeiten wie Jaime.
Er ist bereits der vierte Jaime in seiner Familie – soweit er weiß 😉 –, der Wein macht. Die Bodega Son Prim übernahm er schon mit Mitte 20 von seinem Vater und steigerte die Produktion von ursprünglich 15.000 Flaschen erst auf 30.000 und mittlerweile auf über 60.000 😳
Ein Wachstum, das es in einer Region mit so teurem Grund und Boden wie auf Mallorca eigentlich gar nicht gibt.
Die neuen Reben hat er nämlich selbst gepflanzt 🌱 Die Arbeit im Wingert gehört bis heute zu seinen Lieblingsaufgaben – und genau das merkt man: ihm als Mensch wie auch seinen Weinen 😊
Wenn Jaime mal nicht arbeitet, dann arbeitet er wirklich gar nicht 😄
Kein Telefon, keine Mails – einfach Zeit für die Menschen, die ihm wichtig sind: seine Eltern, seine bessere Hälfte, seine Freunde und vor allem sein größter Schatz – unsere Truca 🐶. Eine Straßenhündin, die er adoptiert hat und die ihn tatsächlich deutlich ruhiger gemacht hat 😊
Ach, ich könnte noch so viele Geschichten erzählen … aber kommen wir lieber zum Wein 😉
Darüber spricht Jaime nämlich erstaunlich wenig. Warum auch? Er sagt immer: „Die Arbeit ist getan. Wir haben im Weinberg so viel gearbeitet, dass die Qualität für sich selbst spricht.“
Und ehrlich gesagt hat er damit wohl recht 😄 Der Absatz steigt seit Jahren stetig – und Jaime ist dabei immer bescheiden geblieben.
Aber natürlich verrate ich euch trotzdem, wie seine Weine schmecken 😊
Die Weine sind so entspannt wie Jaime selbst: Immer steht die Frucht im Vordergrund – eben die Frucht seiner Arbeit. Er arbeitet nur wenig mit Barrique-Fässern, und wenn, dann vor allem mit solchen in zweiter und dritter Belegung. Am Gaumen sind sie frisch und elegant. Jedes Mal, wenn ich einen seiner Weine trinke, reise ich mit dem Kopf nach Sencelles.