Für uns gehört das Essen genauso zum Wein wie die Menschen dahinter. In dieser Reihe nehmen wir euch mit in den Alltag unseres Weinhändler-Lebens und erzählen ein paar Geschichten – immer mit einem unserer Lieblingsmenschen, einem Gericht, das er oder sie selbst ausgesucht hat, und dem passenden Wein dazu.
Wir schreiben das Jahr 2018. Ich machte gerade meine Ausbildung bei José Peral, als ich zum ersten Mal auf eine Handelsmission mit der Spanischen Handelskammer geschickt wurde.
Drei Tage Montsant erleben, Wein probieren – und dafür schulfrei bekommen. Ein Traum, dachte ich. Wenn ich nur geahnt hätte, wie schön es wirklich werden würde. Den Unterschied hat vor allem ein Mensch gemacht: Jürgen Wagner. Export Manager von Capcanes, Önologe und einfach einer der nettesten, herzlichsten Menschen, denen ich je begegnen durfte.
Schon einen Tag vor dem offiziellen Start der Handelsmission lud er uns in seinen Weinberg ein und anschließend zu sich nach Hause. Ein Abend, den ich nie vergessen werde – meine erste Vertikalprobe, eine unbezahlbare Erfahrung. Denn Winzern ihre Schätzchen aus dem Keller zu entlocken, ist bekanntlich nicht einfach. Danke nochmal, Jürgen!
Aber kommen wir zum Wesentlichen: Wer ist Jürgen Wagner, und was macht ein Deutscher in Katalonien? Die Antwort ist ganz einfach – Europa. Genauer gesagt: das Erasmus-Programm. Jürgen studierte in Geisenheim und ging für ein Auslandssemester nach Spanien, das inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte angehalten hat. Jürgen hat sich eben in Spanien verliebt – ein Gefühl, das ich nur zu gut verstehen kann. Auch sein Studium hat er dort abgeschlossen. Und als Schwabe ist er einem sowieso auf Anhieb sympathisch: Er bringt eine Ruhe mit, die ihresgleichen sucht.
Dazu ist er unglaublich bescheiden. Capcanes ist heute einer der bekanntesten Namen Spaniens, überhäuft mit Auszeichnungen und Akkoladen – und das, obwohl das Weingut in den 70ern als Kooperative nicht einmal selbst Wein gemacht hat. Lange Zeit waren sie nur Traubenlieferant. Das änderte sich, als ein Rabbiner sie fragte, ob sie koscheren Wein für die jüdische Gemeinde in Barcelona herstellen könnten – was sie bis heute tun. Danke an diese Gemeinde! Denn Capcanes steht heute für erschwinglichen Priorat-Wein. Naja, eigentlich Montsant – was wir intern schlicht „Baby-Priorat" nennen.
Aber ich schweife ab. Capcanes ist heute richtig groß und richtig erfolgreich, und das liegt an den Menschen dahinter: der Weinmacherin Anna Rovira, der Sommelière Vanessa Díaz Meyer und eben dem Export-Genie Jürgen Wagner. Ich kenne kaum einen Betrieb, in dem ich auf so viele ehrliche, herzliche Menschen gestoßen bin. Eine ganz große Umarmung an die gesamte Capcanes-Familie!
Kleine Randnotiz: Um den Namen Espardeña típica catalana streiten sich die Gemüter – es gibt ein gleichnamiges Fischgericht, und Theresa schwört auf Romesco dazu. Genau diese lokalen Unterschiede lieben wir.
Aber genug zu Jürgen – kommen wir zu seinem Gericht: Espardeña típica catalana. Ein Gericht ganz nach meinem Geschmack: wenig Aufwand, wenige Zutaten, großer Geschmack. So typisch für die echte spanische Küche – es schmeckt nach Zuhause, nach langen Abenden am Familientisch. Liebe auf Brot.
So wird's gemacht: Aubergine, Paprika, Zwiebel und die ganze Knolle Knoblauch (Aubergine vorher ein paar Mal einstechen) auf den Grill über offenem Feuer. (Alternativ im Ofen bei Umluft, 180°C für ca 1 Stunde). Sobald alles schön Farbe bekommt, herausnehmen, kurz abkühlen lassen, die Haut abziehen und den Knoblauch auf eine geröstete Scheibe Graubrot streichen. Wer es sich einfach machen will: geröstete, geschälte Paprika gibt es bei uns natürlich auch schon fertig 😉. Alles kommt aufs Brot, und obendrauf eine – bitte GUTE! – Anchovis. Nehmt wirklich eine gute, das Gericht steht und fällt damit.
Es schmeckt nach Zuhause, nach langen Abenden am Familientisch. Liebe auf Brot.
Dazu im Glas
Capcanes · Mas Collet
Dazu im Glas: Capcanes · Mas Collet. Der typische Montsant-Cuvée: sehr elegant, ehrlich, ein Wein für jeden Tag. Viel rote Frucht, toll ausbalanciert und vielschichtig. So typisch Jürgen, dass er nicht die Flaggschiffe Cabrida oder Peraj Ha'Bib gewählt hat, sondern den Dauerbrenner, der die Miete reinbringt. Im Sommer alternativ der Sense Cap, ein toller Cava aus demselben Haus.
¡Probier mich!